Auf der Isla Margarita gibt es auch diverse Autovermietungen. Ein Mietwagen bedeutet Unabhängigkeit und individuelle Reiseerlebnisse abseits der Masse und ist sicherlich sehr empfehlenswert, wenn man die Insel auf eigene Faust erforschen und kennenlernen möchte. Die Verkehrsregeln und auch die Fahrweise in Venezuela und speziell auf der Isla Margarita (dort gibt es bis heute keine Fahrschule, fahren lernt man von Papa oder Mama und den Führerschein gibt es für ein paar Bolivares und eine gute Flasche Whiskey bei der Polizei, nachdem man eine Runde auf dem Polizeiparkplatz gedreht hat) sind für unsere Verhältnisse recht unorthodox, die Strassen teilweise in sehr schlechtem Zustand und mit tiefen Schlaglöchern. Auf der Autobahn werden 3 Fahrspuren problemlos zu 6 Fahrspuren umgewandelt. Auf den Strassen begegnen einem häufig uralte Vehikel, die eigentlich nur noch durch Klebeband und Draht zusammengehalten werden und im Dunkeln auch häufig ohne Licht unterwegs sind. Überraschungen sind also vorprogrammiert.
Dennoch ist das Autofahren dort kein grosses Problem und m. E. wesentlich stressfreier als in Europa. Alle nehmen Rücksicht aufeinander und geben aufeinander acht (weil keiner die uns bekannten Verkehrsregeln kennt), man verständigt sich viel mit Handzeichen oder Hupsignalen. Bagatellunfälle, weil jemand auf sein Vorfahrtsrecht bestanden hat, sind fast unbekannt - wenn es doch mal "kracht", dann leider richtig.
Spezielle Hinweise für Mietwagenfahrer:
- der Mietwagenvertrag bzw. die Versicherung sollte ohne jegliche Selbstbeteiligung sein
- absolut defensiv - kreativ fahren und keinesfalls davon ausgehen, daß den anderen Verkehrsteilnehmern europäische Verkehrsregeln bekannt sind
- niemals auf sein "Recht" bestehen - sei es nun eine grüne Ampel oder Vorfahrtsregeln
- nicht wundern, wenn der Taxifahrer oder Polizist neben einem an der Ampel erstmal einen Schluck Rum oder Bier nimmt. Das ist normal.
- Ampeln: Rot ist nicht immer rot und grün ist nicht immer grün. Vor dem Passieren einer Ampel sollte man IMMER schauen, ob die Strasse auch wirklich frei ist. Ist die Ampel rot und hält man ordnungsgemäß an, obwohl man eigentlich fahren könnte, kann es durchaus passieren, daß ein Polizeiauto hinter einem wild hupt und die Polizisten "Heeeeeeeeeeeee, chica, venga, venga, venga" schreien. Darüber sollte man nicht weiter nachdenken - sondern fahren. Passt schon.
- nichts im Auto zurücklassen. Mir wurde selbst wegen einer Wassermelone auf dem Rücksitz schon das Seitenfenster eingeschlagen. Das Autoradio blieb drin

.
- beim Parken an beliebten Plätzen (z. B. am Mercado Conejeros (Porlamar/Isla Margarita)) bieten in der Regel Kinder oder Jugendliche an, für ein paar Bolivares aufs Auto aufzupassen. Manchmal "waschen" sie es auch mit Dreckwasser. In jedem Fall zahlen - sonst ist das Auto nach dem Marktbummel nicht mehr in ursprünglichen Zustand bzw. fehlt der Inhalt.
- im Dunkeln sollte möglichst auf Autofahrten verzichtet werden
- beim Fahren in bewohnten Gebieten Türen verriegeln und Fenster geschlossen halten
- Manchmal wird mit fingierten Verkehrsunfällen versucht, einen Überfall durchzuführen. Daher, auch wenn es schwerfällt, keinesfalls anhalten, wenn eine Person am Strassenrand liegt. Würde man selbst dort liegen, würden einem im günstigsten Fall die Wertsachen abgenommen, bevor ggf. ein Krankenwagen gerufen wird. Die Komplizen lauern in der Regel schon im Gebüsch oder hinter einem Felsen. Gleiches gilt bei Steinschlägen (z. B. auf der Strecke zwischen dem Hotel Hesperia Margarita/Pedro Gonzalez und der Playa el Agua) im Gebirge. Tolle Aussicht, aber nicht ungefährlich. Nicht anhalten, sondern Gas geben und durch. Es gibt Diebesbanden, die mit solchen Methoden versuchen, Mietwagen zu stoppen und aufzuhalten.
- Tanken: Benzin ist für unsere Verhältnisse extrem günstig, das Tankstellennetz auf dem östlichen und meistbesiedelten Teil der Isla Margarita auch gut. Ausflüge auf den fast unbewohnten westlichen Teil der Insel (Halbinsel Macanao) sollten allerdings nur mit vollem Tank angetreten werden, da Tankstellen dort eine echte Rarität sind. An Tankstellen wird man grundsätzlich bedient: Der Tankwart kommt, bittet um Öffnung des Tankes und füllt ihn je nach Wunsch. Ein Verlassen des Autos ist nicht erforderlich - es sei denn, man möchte im Tankstellenshop noch Getränke oder Snacks kaufen.