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Namibia / Südafrika 2017 - Teil 12

Bewertung:

Von angie, Donnerstag, 21. Dezember 2017, 15:15

Herrschaften und Oukies!

Heute widmeten wir den ganzen Vormittag den "Girls best Friends", den Diamanten. Kurz nach 9 ging es für uns durch den Seiteneingang vom Protea Hotel noch einmal rüber ins Mining Village. Mitten zwischen all den historischen Gebäuden hat der de Beers Konzern einen ultamodernen Gebäudekomplex mit Shops und Café errichtet. Dort buchten wir die große, geführte Big Hole Tour, die etwa rund 1 Stunde dauert. Der Preis für die große Tour beläuft sich aktuell auf 110 Rand pro Person und kann auch von Rollstuhlfahrern problemlos mitgemacht werden.

Man erfährt dabei, dass die Geschichte der Stadt Kimberley im Jahre 1867 beginnt, als die ersten Diamanten in Südafrika gefunden wurden. Überliefert ist, dass ein Junge namens Erasmus Jacobs im Jahr 1866 angeblich beim Spielen am Ufer des Oranje einen schönen Stein entdeckte.

Drei Jahre später fand ein Mann, mit dem heute weltbekannten Namen de Beers, auf der Farm Zandfontein noch einige solcher Steine. Weitere Diamanten wurden nahe des Oranje und später auch auf einem Hügel im heutigen Zentrum entdeckt.

Als der Fund die Runde machte, setzte umgehend ein grösserer Diamantenrausch ein. Schnell strömten mehr als 30.000 Glücksritter in die Region und eine Stadt namens New Rush entstand. Die Brüder Johannes Nicolaas and Diederik Arnoldus de Beer konnten ihre bisher wenig ertragreiche Farm für 6.300 englische Pfund verkaufen. Sie selbst wurden nicht reich durch den Diamantenboom.

Drei Jahre später, im Jahre 1869, fand man dann den ersten Diamanten im Muttergestein Kimberlit, bisher wurde nur an der Oberfläche gesammelt. Überall in der Region wurde jetzt nach Diamanten gegraben. Am ergiebigsten waren die Funde auf der Colesberg Koppie, dem Standort der späteren Kimberley Mine und dem heutigen Big Hole.

Der Erdhügel, der die ersten Funde enthalten hatte, war ziemlich schnell abgetragen worden und bald mussten tiefe Schächte ins Erdreich getrieben werden, um an die begehrten Glitzersteine zu gelangen.

Aber mit zunehmender Tiefe der Schächte wurde der Tagebau schwieriger, teurer und gefährlicher und eine internationale Finanzkrise führte 1873 schließlich zu einem Preisverfall bei Diamanten. Ein Mann namens Cecil John Rhodes, der bislang vorwiegend mit Diamanten gehandelt hatte, kaufte mit seinem Partner Charles Rudd zuerst die nun weniger ertragreichen Minen nach und nach auf und erwarb als Krönung seiner Laufbahn auch noch die Minen seines Gegenspielers Barney Barnato.

Rhodes gründete die Firma "De Beers Consolidated Diamond Mines", benannt nach den ursprünglichen Eigentümern der Farm, auf der die ersten Diamantenfelder lagen.

Der Abbau der Diamanten wurde lange im Untertagebau fortgesetzt, so entstand nach und nach im Laufe der Jahre dieses gigantische, von Menschenhand geschaffene Loch: das berühmte Big Hole. 1877 wurde New Rush dann umbenannt, nach dem britischen Kolonialminister, dem Earl of Kimberley. Das Big Hole liegt heute im Zentrum der Stadt Kimberley.

Neben einigen alten Gerätschaften und Häusern erreicht man zuerst die moderne Aussichtsplattform hoch über dem mit türkis Schimmernden Grundwasser gefüllten Loch. Der Wasserspiegel liegt 175 m unter dem Erdniveau, das Loch ist 215 Meter tief und hat einen Umfang von 1,6 Kilometern. Aus diesem Big Hole wurden insgesamt 2.722 Kilogramm Diamanten gefördert, die dafür ausgehobene Erdmasse betrug zwischen 1871 bis 1914 insgesamt 22,5 Millionen Tonnen.


Die Plattform ist 30 mal 30 Meter groß - genau die Abmessungen für einen Claim im Bergbau des 19. Jahrhunderts. Sie ermöglicht dem Besucher einen vsenkrechten Blick hinunter in das Loch, da sie wie eine halbe Hängebrücke über den Rand hinaus ragt. Doch obwohl man 90 Meter gehen kann, steht man am Ende immer noch nicht mittig über der Grube mit dem See, sondern nur über der steilen Böschung.

Am 14. August 1914 wurden die Arbeiten am Loch endgültig eingestellt, weil es nicht mehr rentabel war. Der Untertageabbau hatte damals eine Tiefe von 1.097 Metern erreicht und diese Minen wurden 2005 geschlossen. 2006 wurde der Komplex dann als Touristenattraktion und Museum eröffnet, am 25. November 2006 wurde die Aussichtsplattform eingeweiht. Am Rand des Big Hole liegt die Skyline von Kimberley.


Mit einem Aufzug fährt man nach dem Besuch der Plattform und der Außenbereiche anschließend unter Tage. Geräusche und Lichteffekte vermitteln eine lange Fahrt in die Tiefe, in Wirklichkeit legt man nur etwa 5 Meter zurück.

Hier hat man versucht, die Bedingungen von damals nach zu stellen, um den Besuchern einen kleinen Eindruck zu vermitteln. Man geht durch Stollen, vorbei an Loren, alten Gerätschaften und Säcken. Im Hintergrund dröhnen Maschinen, Pumpen, Aufzüge und Förderbänder. Tatsächlich es ist aber nicht so laut, heiß und staubig wie die damalige Welt der Bergleute.

Einige Meter weiter kommt eine Warnmeldung, es erschallt eine Sirene und dann erfolgt der Knall einer Sprengung.

Der Weg unter Tage führt noch vorbei an einigen Schautafeln und endet dann in der De Beers Diamantenhalle des Kimberley Mine Museum. Ein Raum voller Ausstellungsstücke und mit vielen Informationen zur Geschichte des Bergbaus und der berühmtesten Diamanten.

Es gibt eine große Zeittafel über mehrere Meter an einer Wand entlang, viele zeitgenössische Fotos und einige Modelle und Dioramen, wo die damaligen Methoden dargestellt werden. Hier kann man sich eine Replik des berühmten Eureka Diamanten mit 21,25 Karat ansehen, den ersten offiziell registrierten Diamanten in Südafrika.

Gut bewacht ist eine Sammlung von ungeschliffenen Rohdiamanten und einigen Repliken von den berühmtesten Diamanten aus aller Welt. Die Diamanten funkeln, ins rechte Licht gesetzt, verführerisch in den Vitrinen. Da würde man sich gerne so manche Steinchen mitnehmen.


Der Rundgang endet dann wieder in der Eingangshalle, dort kann man sich bei Bedarf selbstverständlich noch in den Shops mit Diamantenbesetzten Schmuckstücken eindecken. Zum Glück für unsere Urlaubskasse spuckte der bereit stehende Geldautomat kein Geld mehr aus. Da haben wir ja wieder richtig was gespart!

Heute Vormittag war auch die Straßenbahn im Einsatz. Das haben wir sofort genutzt und den Spaß, der gerade mal 10 Rand für die Hin&Rückfahrt kostet, mitgemacht.


Am späten Mittag, nach einem kleinen Päuschen, statteten wir dem legendären Royal Kimberley Club, dem alten Club der Diamantenbarone, einen Besuch zum Lunch ab.

Auch wenn heute das Royal im Namen nicht mehr vorhanden ist, trotzdem fühlt man sich dort wie auf einem Außenposten des britischen Empire. Da mögen die Namen einstiger Kolonialisten von Straßenschildern verschwinden - an kulinarischen Vermächtnissen wie Fish & Chips und Steak Wellington ist nicht zu rütteln.


Dieser Club wurde 1881 von Cecil Rhodes (dem Gründer von De Beers) ins Leben gerufen, da die Herren einen Club wollten, wie sie diese aus London kannten. Das Haus wie es jetzt steht, wurde 1896 gebaut und man kann die Geschichte des Hauses richtig fühlen. Selbst die Kellner, die uns bedienten, scheinen noch Mr. Rhodes persönlich gekannt zu haben.

Das Ganze Haus ist voller Fotos, Bilder, Dokumenten und Gegenständen aus vergangenen Zeiten und man kann sich ohne Probleme stundenlang damit beschäftigen, diese Dinge zu studieren und zu bewundern.

Und so wundert es auch nicht, dass die Queen seiner Zeit, auf ihrer großen Afrikarundreise, hier ebenfalls logierte. Aktueller Club Präsident ist ein gewisser Herr Oppenheimer - und selbstverständlich sind hier auch die Rotarier beheimatet.

Trotz allem Pomp and Circumstances sind wir froh doch im Protea Hotel abgestiegen zu sein. Heute Abend werden wir es mal im Biergarten des Occidental Restaurants (kurz "The Ox") im Museum Village probieren, denn da spielt irgendeine Combo Live-Musik.

Jetzt geht es wieder ans Koffer packen, den Wagen haben wir schon betankt - und morgen geht es über Upington zu den Augrabies Fällen am Oranje .



Recht herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit und lekker Slap!

Angie & der Monsieur le Chauffeur

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