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Sina

Master Amigo

  • »Sina« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 21 402

Wohnort: Neigschmeckt ins Schwabenland

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1

Dienstag, 24. November 2009, 20:55

Besen (wirtschaften), Straußwirtschaften & Co.

Jedes Jahr im Spätsommer/ Herbst/ Winter beginnt in den Weinanbaugebieten eine sehr schöne Zeit. Nicht, weil Weihnachten vor der Tür steht, sondern auch, weil endlich die Besen/Straußwirtschaften wieder öffnen. Dieser Besen ist ein typisches Beispiel für eine schwäbische Straußwirtschaft. Die Bezeichnungen für diese Orte der Gastlichkeit sind regional unterschiedlich, Besenschänke, Rädlewirtschaft, Hecken- und Häckerwirtschaft sind am Geläufigsten. In Österreich kennt man diese Bewirtungsform als "Heurigen" oder auch "Buschenschank", in der Schweiz je nach Region als "Buschenschänke", "Besenbeiz" oder auch "Besenwirtschaft".

Der Einfachheit halber beschränke ich mich im Folgenden auf den Begriff "Besen".

Alle Besen haben eins gemeinsam: Es wird grundsätzlich Wein aus eigener Herstellung von einem Winzer in dessen Räumlichkeiten (das kann auch das eigene Wohnzimmer, der eigene Partykeller, eine Scheune, etc. sein) oder auch im Weinkeller ausgeschenkt. Größere Besen erinnern schon eher an Gaststätten. Dazu werden einfache, regionale Spezialitäten serviert, die ebenfalls aus eigener Herstellung stammen. Meist steht die Winzersfrau in der Küche und oft kümmert sich der Familiennachwuchs um den Service.

Da Besen nicht als erlaubnispflichtige Gaststättenbetriebe eingestuft werden und keine Gaststättenkonzession benötigen, sind sie unter bestimmten Voraussetzungen steuerbefreit:

Der Besen darf max. 4 Monate im Jahr geöffnet sein, wobei diese 4 Monate in maximal 2 Zeiträume gesplittet werden dürfen. Außer in Rheinland - Pfalz dürfen maximal 40 Sitzplätze zur Verfügung stehen. Wie viele Leute sich dann allerdings Stühle und Bänke teilen oder im Stehen trinken, interessiert keinen :ironic: . Die angebotenen Getränke und Speisen müssen größtenteils aus eigener Herstellung stammen, es ist z. B. nicht zulässig, Bier auszuschenken (es sei denn, der Winzer unterhält auch noch eine Brauerei). Eine kleine Auswahl alkoholfreier Getränke (z. B. Apfel- und Traubensaft, Mineralwasser) muss angeboten werden.

Dementsprechend sind die Speisen und Getränke auch sehr günstig. Ein Viertelliter Wein kostet meist um € 2,50, für unter € 5,- gibt es dazu z. B. eine große Schlachteplatte. Nur selten wird für eine Mahlzeit mehr als € 5,- verlangt, meist deutlich weniger. Die Portionen sind angesichts der Preise erstaunlich groß.

Ob ein Besen gerade geöffnet ist, erkennt man daran, daß an einer Hauswand ein Reisigbesen "ausgesteckt" ist. Zwar gibt es im Internet auch diverse "Besenkalender", diese haben sich jedoch als nicht wirklich aktuell und zuverlässig erwiesen. Also bleibt nur der Rat, die Augen offenzuhalten und Ortsansässige zu befragen, wenn man in einer Weinregion unterwegs ist und einen Besen besuchen möchte. Oder im Vorfeld Ortsname und Besen bei Tante Google eingeben und suchen, anrufen, etc..

Soviel zu den Fakten und als Hintergrundinfo. Nun zu der Stimmung :D

Die Stimmung im Besen ist immer gut. Hier ist die Welt noch in Ordnung, hier hockt man mit wildfremden Menschen Pobacke an Pobacke in fremden Kellern/Wohnzimmern/etc., hier gibt es keine gesellschaftlichen Grenzen, hier stößt der Punk mit dem Dorfpolizist an und der Unternehmer gibt dem Harz4 - Empfänger ein Viertele aus. Jeder redet mit jedem, es wird lamentiert, debattiert, manchmal auch tiefschürfende Gespräche geführt - und es ist einfach nett, gemütlich und urig.

Jedem, der irgendwann mal in einem Weingebiet unterwegs ist, möchte ich einen Besuch in einem Besen wärmstens empfehlen. Man kommt als Fremder und geht als Freund.
Als deutscher Tourist im Ausland steht man vor der Frage, ob man sich anständig benehmen muß oder ob schon deutsche Touristen dagewesen sind. (Kurt Tucholsky)

2

Dienstag, 24. November 2009, 21:30

Sina, vielen Dank für den sehr schönen Beitrag.
Als "Jemand" der praktisch direkt in so einem Gebiet wohnt, kann ich Dir nur beipflichten :Weinfest:
Die Bildung kommt nicht vom Lesen, sondern vom Nachdenken über das Gelesene :denk:

Sina

Master Amigo

  • »Sina« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 21 402

Wohnort: Neigschmeckt ins Schwabenland

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3

Dienstag, 24. November 2009, 21:45

Hallo Aramis und danke für Deinen Kommentar,

ich selbst bin ja nur eine "'Neigschmeckte" im Schwabenländle, hab mich ganz gut akklimatisiert (und verwirre regelmäßig die Bäckereifachverkäuferinnen in Hannover, wenn ich "Seelen" oder "Schneckennudeln" anstelle von Baguettes und Plunderteilchen kaufen möchte :tüte: ) und wir genießen die Besenzeit immer wieder. Je kleiner und unscheinbarer ein Besen ist, desto besser und authentischer ist er - so zumindest unsere Erfahrung. Leider gibt es sowas in Norddeutschland, wo ich geboren bin, nicht :cry: . Ok, da fehlen wohl auch ein wenig die Weinberge :ironic:
Als deutscher Tourist im Ausland steht man vor der Frage, ob man sich anständig benehmen muß oder ob schon deutsche Touristen dagewesen sind. (Kurt Tucholsky)

4

Dienstag, 24. November 2009, 23:22

Ich habe diese Art "Wirtschaft" vor ein paar Jahren am Bodensee (vornehmlich Nonnenhorn) kennengelernt und stimme Sina 100 %ig zu.
Haben auch feucht-fröhliche Abende bei "rustikalem" Essen an langen Tischen mit netten Leuten genossen. Da geht alles so umkompliziert zu ...
Wenn es mich mal wieder in die Gegend der "Besen" verschlägt, werde ich bestimmt wieder dort einkehren.

shannoir

Master Amigo

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5

Montag, 18. November 2013, 19:42

eine original Besenwirtschaft

wie versprochen... und speziell für Dodo... einige Bilder von unserem Besen-Besuch :cheers:

dieser Besen findet noch in der Privatwohnung bzw. Haus statt und den gibt es so schon über 40 Jahre ... vielleicht wurde des öfteren frisch tapeziert, aber verändert hat sich da nix großartig..

geöffnet werden darf nur 3 Wochen und ich glaub, auch nur zweimal im Jahr
ein original Besen darf nicht mehr als 40 Sitzplätze haben und in unserem wird hierzu Oma's Zimmer und das Büro leergeräumt und mit Tischen und Bänken vollgestellt
das Essen kommt aus eigener Schlachtung und auch der Wein ist vom eigenen Weinberg
bekocht und bedienst wirst du nur von Familienmitgliedern

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war ja nicht anders zu erwarten.... natürlich waren wir wieder bei den letzten :hschein: :hschein:
Fünf Sonnenminuten im Alltag können mehr bedeuten als ein Sonnentag im Urlaub.

6

Montag, 18. November 2013, 19:57

Aber Soße zum abgebräunten Leberkäs, des gibts nur in BW....

7

Montag, 18. November 2013, 19:59

:danke: shannoir,

das sieht ja wirklich gut aus :thumbsup: auch preislich absolut klasse.
Danke für Deine Mühe und einstellen der Fotos :ironic:

Sobald ich mich mal dort in dem Bereich befinde, freue ich mich schon
drauf. :chaka:
Freedom's just another word for nothing left to lose...

shannoir

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8

Montag, 18. November 2013, 19:59

ja, ohne Soß geht bei uns nix


gern geschehen Dodo
Fünf Sonnenminuten im Alltag können mehr bedeuten als ein Sonnentag im Urlaub.

superfx

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Beruf: habe ich auch

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9

Montag, 18. November 2013, 20:16

...was macht denn da die tüte....

....kühne-senf auf dem teller ?( ?( ?(
ich weiß nicht wo ich herkam, ich weiß nicht wo ich bin, mich wundert, dass ich so fröhlich bin.

10

Montag, 18. November 2013, 20:19

Na was wohl? Die wartet darauf aufgemacht zu werden. :D

superfx, das ist ein Besen, die können den Senf nicht auch noch selbst herstellen. :ironic:

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