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Freitag, 30. Januar 2015, 12:44

Nähe Lüderitz: Kolmannskuppe / Kolmanskop

Reisetipps, Meinungen und Erfahrungen: Kolmannskuppe (Kolmanskop) bei Lüderitz in der Karas Region im Süden Namibiens



Bilder: 126

Öffnungszeiten:
Montag - Sonntag: 8.00 - 13.00 Uhr

Adresse / Lage:
Kolmanskop
ca 10 km östlich von Lüderitz


Hier kann man einen Reisetipp über die ehemalige Siedlung Kolmannskuppe bei Lüderitz veröffentlichen.

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Freitag, 30. Januar 2015, 17:57

Besucht im Dezember 2014

Lage: etwa 15 Km außerhalb von Lüderitz an der B 4 - rechte Seite



Der Name Kolmanskuppe stammte ursprünglich von einem einheimischen Transportkutscher namens Johnny Coleman, der hier auf der Hügelkuppe im Jahr 1905 mit seinem Ochsenkarren liegen blieb und fast verdurstete.
1908, zu Beginn des großen Diamantenrausches in Südwest, gründeten die Eigentümer der ersten Diamantenschürfgesellschaft um August Stauch (s. Grasplatz - Ehemaliger Bahnhof der Aus-Lüderitz Linie ) den Ort Kolmannskuppe und errichteten dort ihr Hauptquartier.



Bereits im September 1908 streckte die deutsche Regierung ihren langen Arm nach den kostbaren Mineralien aus. Bernhard Dernburg, Staatssekretär im Reichskolonialamt, erließ die Sperrverfügung für diese Region. Bis dahin angemeldete private Schürfgebiete durften aber weiter ausgebeutet werden.

Ein breiter Küstenstreifen vom 26. Breitengrad bis zur Oranje-Mündung wurde zum Sperrgebiet erklärt. Hier durfte fortan nur die "Deutsche Koloniale Gesellschaft für Südwestafrika" Diamanten schürfen. Die Woermann Reederei schipperte staatlich beauftragte Diamantensucher nach Namibia. Und um diese bei der mühseligen Diamanten-Gewinnung in der Gluthitze bei Laune zu halten, reisten auch deren Familien mit nach "Deutsch-Südwest".



Vom zwölf Kilometer entfernten Hafen in der Lüderitzbucht schleppten Ochsenwagen alles in die Diamantenstadt, was damals ein Leben in den heimischen vier Wänden lebenswert machte: Badewannen, Armaturen, Kühlaggregate, Linoleumfußböden, Sportgeräte, Grammophonplatten, Toilettenbecken mit Wasserspülung, sogar ein Röntgengerät (das erste in Afrika!) für das örtliche Krankenhaus und vieles mehr. Auch eine Straßenbahn für den Transport von Waren und Personen innerhalb des Ortes war hier zu finden.



Man pflanzte Bäume in die Wüste, baute ein Schwimmbad, eine Limonadenfabrik, eine Volksschule, gründete den Kegelklub "Gut Holz" und ließ die Straßen mit elektrischen Laternen beleuchten. Der Morgen für die 300 Deutschen mit ihren 40 Kindern, die im südwest-afrikanischen Nirgendwo lebten, begann mit frischen Brötchen. Der Tag klang mit dem besten französischen Champagner aus.



Nur Wasser, das blieb stets knapp. Denn es musste zunächst mit dem Tankschiff vom Kap geliefert werden, wurde anschließend auf Ochsenwagen verladen und in die Wüste gekarrt. Später baute man an der Küste eine Meerwasserentsalzungsanlage, die von einem eigens errichteten Elektrizitätswerk bei Bogenfels betrieben wurde, seinerzeit der leistungsstärkste Stromproduzent auf der südlichen Halbkugel.

Die Bedingungen für die hoch bezahlten Arbeiter in der Diamantenstadt waren für damalige Verhältnisse und für die isolierte Lage ziemlich paradiesisch. Es gab für jeden mindestens 14 Tage bezahlten Urlaub im Jahr - je nach Dienstzeit vor Ort sogar noch mehr - den man auch ansparen konnte, um dann nach einigen Jahren nach Deutschland zu reisen.



Pro Tag bekam jeder Bewohner der Siedlung 20 Liter Trinkwasser, einen ½ Liter Milch und 2 Brötchen kostenlos. Dazu erhielt jede Familie täglich einen halben Block Eis aus einer eigenen Fabrik zwecks Kühlung der Lebensmittel.

Allmählich ersetzten die Rohdiamanten im täglichen Handel das Bargeld, es wurde nicht mehr mit Rand, Mark oder Pfund bezahlt, sondern in Karat. Und zum wichtigsten Begleiter wurde die Taschenhandwaage. Mehr als eine Tonne der Edelsteine wurde allein bis 1914 im Sperrgebiet gefördert. 1909 waren es monatlich 70.000 Karat – 20 % der Weltproduktion.



Doch mit dem Ersten Weltkrieg verlor das Deutsche Reich Kolonie und Schürfrechte. Die Nachfolger-Gesellschaften (DeBeers) beurteilten Kolmanskuppe 1931 als zu 95 Prozent ausgebeutet.

Die Kleinstadt diente nur noch als Frachtdepot entlang der Schmalspurbahn. Mit der neuen Brücke über den Oranje wurde der Umweg über die Wüstenstadt überflüssig. 1954 entließ das Hospital seinen letzten Patienten. Zwei Jahre später zogen die letzten, noch verbliebenen 7 Familien fort.



So schnell, wie die Siedlung aus der Retorte entstanden war, so schnell ging sie auch wieder verloren, und die Wüste machte sich daran, dass verlorene Terrain zurück zu erobern. Über Jahrzehnte verfiel der Ort. Das Vorhandene wurde geplündert, und in die Häuser kroch unaufhaltsam der Sand.

August Stauch, der Mann, der am Anfang dieser Entwicklung stand, war zu dieser Zeit längst tot. Als reicher Mann war er bereits 1924 aus dem Diamantengeschäft ausgestiegen, verlor aber schon wenig später in der Weltwirtschaftskrise der dreißiger Jahre fast sein gesamtes Vermögen. Sein Leben beendete er 1947 verarmt in dem kleinen thüringischen Ort, Ettenhausen bei Suhl, aus dem er einst aufgebrochen war. Jedoch leben seine Nachfahren immer noch in Namibia.



1988 entschloss sich dann der Namdeb-Vorläufer Consolidated Diamond Mines, der Wüste die Stirn zu bieten. Zur Rettung der Jugendstil-Oase reparierten Restauratoren einige Gebäude und kauften Originalmöbel aus Privatbesitz zurück.

Öffnungszeiten:

täglich von 8-13 Uhr, außer Karfreitag/25.12./1.1.
Eintritt: 75 N$ (inkl. Führung)



Von Montag bis Samstag finden am Vormittag 2x2 Führungen (09:30 Uhr und 11.00 Uhr)statt, jeweils Deutsch & Englisch, in Ausnahmefällen auch Afrikaans
An Sonn- und Feiertagen gibt es nur 1x2 Führungen um 10 Uhr, ebenfalls jeweils in Deutsch & Englisch und in Ausnahmefällen auch Afrikaans

Dauer der Führung etwa 45 Minuten.

Treffpunkt zur Führung: die alte Turnhalle
Eine Anmeldung ist nicht erforderlich: wer kommt, der kommt!



Die Führungen sind sehr informativ und interessant und wir erfahren eine Menge Wissenswertes über die ehemalige Diamantenstadt.

Für hungrige und/oder durstige Besucher steht die "Ghost Town Taverne" zur Verfügung und in einem Souvenirshop (Diamantroom) können als Erinnerung sogar ungefasste Diamanten gekauft werden - außer am Wochenende und an Feiertagen.



Achtung: um im Sand umher zu stapfen sind Flip-Flops nicht die beste Schuhwahl - Schlangen!
Nicht umsonst stehen/hängen überall Schilder, die darauf hinweisen unbedingt die Türen zu schließen und gelegentlich muß auch mal ein "Eindringling" entfernt werden!

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Montag, 11. Mai 2015, 19:59

Moderne Ruinen: Kolmanskuppe - Diamanten-Geisterstadt in Namibia Doku

In der Doku Reihe "Moderne Ruinen" wurde Kolmannskuppe eine eigene Sendung gewidmet. Herr Hälbich von der "Pension Waterkant" aus Lüderitz tritt hier als humoriger Fremdenführer auf: